Seelenarbeit
im
Schamanentum
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Ein
Hauptaufgabengebiet des Schamanen ist der Komplex der "Seele".
Was ist eine
Seele? Ich empfehle, Dir zu dieser Frage zunächst selbst
einige Gedanken zu
machen. Individuelle Meinungen und Ansichten dürfen nicht als
verbindlich und
allgemeingültig gelten. Der Einfachheit halber betrachte ich
die Seele für
diesen Aufsatz als die Gesamtheit der nichtstofflichen
Persönlichkeitsanteile.
Aus meiner Sicht kann und sollte der Begriff von verschiedenen
Standpunkten aus
gründlich untersucht werden.
Einerseits
kann ein Bezug zum Wasserelement vermutet werden: "See" im Sinne von
Gewässer. Das ist nicht so ganz unwahrscheinlich, da
für unsere Vorfahren Wasser
ein mystisches Element war, eine Art physischer Nicht - Stoff. Mit
etwas
Phantasie lassen sich in dessen Eigenschaften einige Analogien finden,
wie man
sich auch die geistigen Elemente eines lebenden Wesens vorstellen
könnte. So
gesehen gleicht die "Seele" einem See. Ein Teil dieses Sees ist es
dann, welcher im physischen Körper inkarniert - und nach
dessen Tod wieder zu
seinem Ursprung zurückkehrt. Dieser Teil könnte dann
das sein, was wir unter
Seele im Speziellen verstehen dürfen.
Ein zweiter
wesentlicher Aspekt des Seelenbegriffes ist ein "Inhalt". So gesehen
beschreibt der Ausdruck einen Kern, ein form- und sinngebendes
Innenleben. Die
Seele eines Computers zum Beispiel könnte sein Prozessor bzw.
tiefer gesehen:
die Prozessorfunktion sein. Die Seele einer
Wäscheleine ist nicht selten
ein zugfestes Seil im Inneren, welches oft genug von einem dekorativen
Äußeren
ummantelt ist. Der Begriff "Sinn" ist dem der Seele meiner Ansicht
nach verwandt. So gesehen kann Seele als der eigentliche Sinn eines
physischen
Objektes, eines Vorganges oder eben auch eines lebenden Wesens
verstanden
werden1. Beim
Menschen kann die Seele u.a. als die Grundlage von Bewusstsein
und Psyche
verstanden werden. Ein wesentliches Kennzeichen dabei ist, dass es sich
bei
beiden Seelenaspekten auch um physisch manifestierte Strukturen
handelt. Ein
offensichtliches Medium dieser Strukturen sind vor allem Gehirn und
Nervensystem:
sie bilden die Brücken, über die die eigentliche,
nichtstoffliche Seele mit dem
Körper und damit der Umwelt verschalten wird. Im Weiteren ist
jedoch jede
physische Struktur, jede Funktion, jedes Organsystem, letztlich jede
Zelle
beseelt: die Seele ist so gesehen die nichtphysische, unsichtbare
Grundlage
jeder manifestierten, körperlichen Struktur oder Funktion. Der
Mensch ist also
in seiner Gesamtheit - Körperstruktur, Charakter und
Persönlichkeit, Denken und
Fühlen, die Tätigkeit des Immunsystems, Temperatur,
Kreislauf usw. - letztlich
ein geformter, sicht- und greifbar gewordener, eben manifestierter
Ausdruck
seiner Seele.
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Fast alle Kulturen
rund um den Erdball kennen mehr oder weniger ausgefeilte Konzepte der
Seele.
Dabei tauchen differenzierte Unterschiede auf, die in der schamanischen
Praxis
berücksichtigt werden können, letztlich auch aus
dieser heraus entstanden sind.
So kennen die sibirischen Kulturen beispielsweise
die Unterteilung
in eine weiße und eine graue Seele. Der
graue Teil ist dabei der
physisch inkarnierte. Die Weiße dagegen ist der
andersweltliche Ursprung, aus
dem heraus die spätere Graue in den Körper
gebunden wird. Aus der Mongolei
sind mir noch spezialisiertere Unterteilungen
bekannt, dort gibt
es des Weiteren eine schwarze Seele. Diese verbleibt
post mortem bei
den sterblichen Überresten und löst sich erst
allmählich auf. Soweit mir
bekannt, ist es auch dieser Seelenteil, der unter Umständen
später als Totengespenst
Probleme machen kann. Dann gibts da noch Knochenseelen,
Organseelen und
diverse weitere Möglichkeiten. Vielleicht ist es dabei von
Bedeutung, derartige
Unterteilungen nicht als zwingend und unveränderlich zu
verstehen. Das Wissen
um diese Möglichkeiten kann als Sprungbrett benutzt werden,
sich ein eigenes
Verständnis zu erarbeiten. Derartiges lässt
sich nicht im analytischen
Studium erwerben: es beruht auf Empirie, d.h. es gründet auf
der eigenen,
persönlichen, kontrollierten Wahrnehmung. Mögliche
Wege dahin sind schamanische
Reisen, Meditation oder das Befragen der Geister. Dieses eigene
Verständnis
erachte ich als einigermaßen wichtig, vor allem auch, um die
Auswirkungen von
schamanisch zugänglichen Seelenproblemen einsehen und
abschätzen zu können.
Schamanische
Seelenarbeit ist eine praktische Methode, eine ganze Reihe
möglicher Probleme zu lösen. Inzwischen bekannt ist
die Technik der
Seelen(teil)rückholung. Das Thema wurde u.a. von Sandra
Ingermann im Rahmen des
coreschamanischen Ansatzes ausführlich beschrieben. Der Ansatz
geht davon aus,
dass unter Umständen Teile der Seele verloren gehen
können. Der Kardinal -
Auslöser für derartig dramatisches Geschehen ist das
Trauma2. Dabei darf
beachtet werden, dass jede Art von
Trauma zum Verlust von Teilen der Seele führen kann. Ein
schwerer
Verkehrsunfall, ein häuslicher Unfall etc. können so
etwas ebenso begünstigen
wie körperlicher oder psychischer Mißbrauch3.
Das
akute
Trauma ist jedoch nicht die einzige Ursache, die zum Verlust von
Seelenteilen
führen kann. Andere Möglichkeiten sind chronische
Krankheiten, langfristiges Ausgesetzt
sein gegenüber widrigen Lebenssituationen, Mobbing,
energetische Blockaden
unterschiedlichster Art, natürlich auch magische Angriffe /
Verhexungen.
Symptome können das gesamte mögliche Spektrum an Leid
und Folgeproblemen nach
sich ziehen. Die Diagnose
"Seelenteilverlust" kann also nicht an
bestimmten Ursachen
oder auch Symptomen festgemacht werden. So etwas kann nur Hinweise
geben bzw. den
Gedanken an Seelenteilverlust nahe legen. Die Feststellung
mittels
schamanischer Methoden, Auskunft der Geister etc kann aber
nicht ersetzt
werden.
Wie können Teile
der Seele verloren gehen?
Dazu ein
illustrierendes Fallbeispiel: Vor einigen Jahren wurde ich recht
unmittelbar
Zeuge eines Verkehrsunfalls. Zwei Fahrzeuge vor mir knallte es an einer
Ampel
und ich sah einige Teile durch die Luft fliegen: ein PKW war in eine
rote Ampel
eingefahren, auf der Kreuzspur konnte ein Motorradfahrer samt Sozius
nicht mehr
ausreichend bremsen und rammte den Wagen frontal anschlagend. Ich
stürzte dazu
um erste Hilfe zu leisten, eine Traube von Menschen hatte sich in
wenigen
Sekunden um den Unfallort versammelt, teilweise zuschauend, teilweise
helfen
wollend. Der Fahrer des Motorrads lag rücklings quer
über der Motorhaube. Die
Augen waren offen, völlig klar und der Mann verhielt sich
ruhig. Als ich ihn
ansprach schaute er mich an, gab aber keine verbale Antwort. Er war
nicht
bewusstlos – aber „da“ war er auch nicht.
Für mich war deutlich zu sehen, dass
da eine Menge „Geist“ über dem Unfallort
in ca. zwei bis drei Meter Höhe
schwebte wie eine durchsichtige Luftblase. Um genau zu sein bildete ich
mir
ein, zwei derartige „Seelenblasen“ wahrzunehmen. Es
dauerte etwa noch eine
halbe Minute, dann bekam ich langsam den Eindruck, dass eine dieser
„Luftblasen“
langsam verschwand, kleiner wurde. Der „Geist“ oder
die „Seele“ kehrte zurück
in den da unten liegenden Körper. Kurz nach Einsetzen dieses
Umkehrprozesses
begann der Mann stammelnd zu sprechen, sein Gesicht und sein
Augenausdruck
zeigten Schmerz, der Unterschenkel (der disloziert in
unnatürlichem Winkel
stand und vermutlich schwer frakturiert war) würde schmerzen,
wo seine
Lebensgefährtin sei. Als er das sagte wurde mir
überhaupt erst mal klar, dass
ich tatsächlich ZWEI Seelen gesehen hatte! Bis dato wusste ich
nämlich nicht,
dass es noch eine Person auf dem Motorrad gegeben hatte. Keiner der
Anwesenden
kümmerte sich um jene zweite Person, alle waren auf den Mann
konzentriert, der
so offensichtlich quer auf der Motorhaube lag. Ich suchte nach der
Stelle, wo
ich die zweite Seele gesehen hatte, etwa auf Höhe
über dem Mittelholm auf der
Beifahrerseite des PKW. Tatsächlich: dort unten war die
Partnerin des
Motorradfahrers unter das Auto gerutscht. Die hatte dort bisher keiner
bemerkt!
Auch die Frau war nicht „bewusstlos“, zeigte aber
ganz ähnliche
„Abwesenheitszeichen“ wie ihr Partner kurz vorher
noch. Ich versuchte Kontakt
zu ihr aufzunehmen, untersuchte sie, prüfte die Reflexlage,
sprach sie an und
merkte, wie zunehmend die „Seelenluftblase“
über uns kleiner wurde. Die Frau
gab jetzt ebenfalls mündliche Auskunft, wo sie Schmerzen
spürte etc. Die zwei
Seelen über dem Unfallort waren nach kurzer Zeit komplett
verschwunden also für
mich nicht mehr wahrnehmbar. Sie waren zurückgekehrt in die
Körper der
Unfallopfer. Dadurch waren diese wieder anwesender, begannen den
Schmerz zu
fühlen, zu verbalisieren und sich auch Gedanken zu machen, wo
der Partner war,
wie es ihm gänge. Beide wurde letztlich durch den
Rettungsdienst übernommen:
sie kamen mit vergleichsweise harmlosen Verletzungen davon.
Das Beispiel
zeigt ganz gut den Mechanismus eines Seelenteilverlustes auf. Die
Fähigkeit der
Seele, sich in extrem problematischen Situationen geradezu blitzartig
zurück zu
ziehen, aus dem Körper zu fliehen, ist ein
Überlebenstrick, der vollkommen
natürlich ist. Das dürfte einer der wesentlichen
Gründe sein, dass in den
ersten Sekunden schwerer Unfälle oftmals Schmerzen gar nicht
richtig
wahrgenommen werden. Dass die Schmerzwahrnehmung erst später
einsetzt wird von
vielen physisch traumatisierten mit erhaltenem Bewusstsein berichtet.
Sobald
die Situation geklärt ist, vielleicht sogar bis zu einem
gewissen Grad
gesichert ist, setzt eine Art Rückströmen der
geflüchteten Seele in den
physischen Körper ein, damit beginnt die
Persönlichkeit, physische Wahrnehmung
etc. wieder normal zu funktionieren. Diese Rückkehr der Seele
in den Körper ist
ebenfalls eine normale Reaktion. In der Regel heilen Seelenabspaltungen
dieser
Art im Laufe der Zeit wieder komplett aus. Es handelt sich aber um
typische
Situationen, die letztlich zum schamanisch relevanten Seelenteiltrauma
führen
können: in diesem Fall bleiben tatsächlich Teile der
abgespaltenen Seele
dauerhaft außerhalb des Körpers. Im Prinzip sollte
bei Traumen und anderen
Situationen, die grundsätzlich immer (!) mit
Seelenabspaltungen einhergehen,
sofort eine entsprechende Behandlung gemacht werden. In schamanisch
geprägten
Kulturen: absolut normal. In unserem Kulturkreis verfügen nur
noch wenige über
dieses Wissen. Das ist der Grund, warum Menschen teilweise Jahrzehnte
lang mit
mehr oder weniger ausgeprägten Seelenteilverlusten leben
müssen. Meiner Vermutung
nach macht das auch erheblich was zu den typischen Pathologien unseres
Kulturkreises dazu. Jedenfalls beginnt man sich seine Gedanken zu
machen wenn
man gesehen hat, wie alle möglichen Krankheiten und Symptome
einfach
verschwinden, wenn erfolgreiche Seelenteilrückholungen gemacht
worden sind.
Die Praxis
Am besten
verlässt Du Dich bei der Diagnose auf das, was Du im
schamanischen
Bewusstseinszustand siehst. Es ist wie immer von Vorteil, entweder das
bis
dahin im Vorgespräch gehörte möglichst zu
vergessen oder noch besser: VOR einem
detaillierten Gespräch eine schamanische Reise zum Problem
Deines Klienten
zu machen. Eindrücke aus solch
einer "verblindeten" Sitzung,
die anschließend vielleicht sogar im
Gespräch verifiziert werden können,
haben sehr viel höhere Relevanz, weil die eigene
Erwartungshaltung
("vorgeimpft") dabei weitgehend ausgeschaltet ist.
Wenn
Seelenteilverlust tatsächlich vorliegt und Dich Deine Geister
das auch sehen
lassen ist es wahrscheinlich, dass Du das Problem auch behandeln kannst
und
darfst. Trotzdem bei den Verbündeten
nachfragen! Oft genug gibt die
schamanische Reise zum verloren gegangenen Seelenteil wertvolle
Hinweise. Das
Umfeld, in dem er sich aufhält, wird nicht selten mit dem
ursprünglichen Auslöser
des Verlustes in Zusammenhang stehen. Dies kann seinen
Ausdruck durch eine
zu "übersetzende" Symbolsprache ebenso finden wie in dem
detailgetreuen Eins zu Eins - Sehen der auslösenden,
traumatischen Situation4.
Manchmal
müssen Seelenteile behandelt werden, bevor Du sie zu Deinem
Klienten
zurückbringen kannst. Vielleicht muss er irgendwie gereinigt
werden, Verbände
oder sonstige "Reparaturen" könnten notwendig sein. Eher
selten kann
es auch passieren, dass Du mit dem Seelenteil regelrecht
verhandeln musst
Bewährte Argumente sind das in Aussicht Stellen von
Heimatlichkeit, eine
aktuelle, vielleicht gebesserte Lebenssituation und dergleichen. An der
Stelle
kann durchaus auch die Professionalität Deines rituellen
Umfelds förderlich
wirken: Stimmung und Atmosphäre im Behandlungsraum,
vorausgegangene reinigende
und förderliche Räucherungen etc. Die
Ausstrahlung eines Behandlungsraumes
ist im Idealfall eine positive, kraftvolle und
einladende. In der
Regel kommen echte Seelenteile aber ohnehin bereitwillig mit.
Eine gute
Seelenrückholung beruht meiner Erfahrung nach auf einer
gewissen
"Freiwilligkeit" und geht oft geradezu "von allein". Wenn
sich alles gut und passend anfühlt, die Rückholung
problemlos gemacht werden
kann und obendrein starke Synchronizitäten auftreten kann
damit gerechnet
werden, dass tatsächlich ein aktuell zu behandelnder
Seelenteilverlust bearbeitet
wird - und nicht etwa irgendein Hirngespinst des Schamanen (auch das
kann
passieren!) oder Klienten.
Problematisch
kann es werden, wenn Seelenteile gar von andersweltlichen Wesen geraubt
wurden.
Das gibt es tatsächlich, wiewohl ich selbst dergleichen bisher
nur einmal
gesehen habe. In manchen Kulturen ist das aber tatsächlich an
der Tagesordnung.
Dort geht praktisch jeder Seelenteilverlust mit der Intervention eines
Geistwesens
einher. Solche Schamanismen bauen nicht selten in ihrer Grundstruktur
auf
diesem Wissen auf5.
Wesentlicher
Teil der Ausbildung dortiger Schamanen ist das Verhandlungsgeschick zu
schärfen, die traditionellen Opfergaben für einzelne
Geister zu kennen usw. Diese
Wesen haben oftmals (aus ihrer Sicht) gute Gründe, Seelenteile
zu klauen. Aufgabe
des Schamanen ist es dann, einen Weg zu finden, den Seelenteil
irgendwie frei
zu bekommen. Von Verhandeln über Anwendung von Tricks bis hin
zu kämpferischer Auseinandersetzung kann da
alles notwendig werden:
nicht jedermanns Sache, das.
Wenn in der
Geisterwelt soweit alles "abreiseklar" ist wirst Du oder Deine
Verbündeten den Seelenteil irgendwie an Dich nehmen und dann
zügig die
Rückreise in den Raum antreten, in dem sich der Klient
befindet. Dieser
Transport in der Geisterwelt und der Übergang in die
alltägliche Wirklichkeit
sind empfindliche Punkte. Seelenteile nehme ich als
äußerst "flüchtig"
war. Einmal nicht aufgepasst verschwinden sie relativ schnell. Du wirst
gut
daran tun, während der gesamten Rückreise penibel
genau achtzugeben, dass der
Seelenteil unterwegs nicht verloren geht. Eine einfache Technik
wäre, das
Seelchen mit einer freien Hand an die Brust zu
drücken und so nach Hause
zu transportieren. Das passiert natürlich in der
Geisterwelt, Du kannst
die Bewegung, die dazu notwendig ist, problemlos auch in der
alltäglichen
Wirklichkeit machen, wenn Dir das hilft (mir hilft es). Wenn
Du ein
geeignetes "Transportgefäß" - ein Lederbeutelchen
oder ein
Bergkristall z.B. - hast kannst Du den Seelenteil auch da
hinein transferieren. Das erhöht die Chancen, das
Teilchen wirklich an
einem Stück zum Klienten zu bringen. Ein solches
Werkzeug gibt
außerdem die Möglichkeit, das empfindliche
Gebilde mittels des
Hilfsgegenstandes "zwischenzuparken", falls noch Behandlungen am
Klienten vorgenommen werden müssen, bevor der Seelenteil
eingeblasen werden
darf. Das im Übrigen musst Du Dir natürlich
vorher idealerweise
anschauen. Es ist hochwahrscheinlich, dass Du den Klienten
zumindest im
Vorfeld reinigen musst, abräuchern oder dergleichen. Manchmal
sind Extraktionen
oder sonstige Vorarbeiten zu machen. Andernfalls kann es Probleme
geben. Erst
wenn Deine Verbündeten ebenso wie der
Gesamteindruck grünes Licht geben
solltest Du einen zurückgebrachten Seelenteil wirklich in den
Klienten
hineintransferieren. Vorher macht das wenig Sinn, weil die Chancen,
dass er
sich sofort wieder verflüchtigt, einfach zu
groß sind. Es kann durchaus
auch sein, dass Dein Klient im Laufe einiger Vorabsitzungen
überhaupt erst
vorbereitet werden muss. Dazu können Gespräche,
regelmäßige Reinigungen,
eventuell anstehende Extraktionen gehören. Ein
sauberes Handwerk, sichere Arbeitstechnik,
vor allem aber Geduld und Umsichtigkeit sind Deine besten
Garanten,
erfolgreich zu arbeiten und Deinen Patienten wirklich
langfristig helfen zu
können.
Um den Seelenteil mit dem Klienten zu
verbinden gibt es verschiedene
Möglichkeiten. Als erstes musst Du natürlich das
Seelchen irgendwie in den
Klienten einbringen. Das funktioniert analog zu den Methoden, welche Du
vom
Bringen eines Schutzgeistes etc. bereits kennst. Am einfachsten ist es
wohl,
den zurückgebrachten Geistaspekt einzublasen.
Üblicherweise im Herzbereich und
hernach noch mal am Scheitelpunkt. Im Einzelfall musst Du vielleicht an
bestimmten Körperteilen einblasen, worüber Dich Deine
Verbündeten informieren
werden. Achte darauf, dass die Seelenkraft wirklich restlos und sicher
in den
Klienten eingeblasen wird. Verlass Dich dabei ruhig auf Deine
Eindrücke in
schamanischer Vision. Entscheidend dabei wie so oft ist auch
Dein Wille:
die klare, unumstößliche Intention "ich bringe
diesen Seelenteil zu meinem
Klienten" - wenn sie nur stark genug erfasst ist, ist
ein wichtiges
Kraftpotential. Dein Wollen und auch das des Klienten gibt der
Sitzung
Rahmen und Ziel, in dem sich letztlich die
schamanische Heilung
abspielt. Wenn Du den Seelenteil in Deiner Hand hast legst Du
diese auf
die Brust des Patienten und pustest kräftig hindurch, Dir
dabei vorstellend,
wie der Luftstrom den Seelenteil mit in die Tiefe nimmt, in den
Körper des
Klienten. Sieh, wie sich dort in der Tiefe das Geistige mit dem
Physischen
verbindet, wie es mit Geweben und Zellen verschmilzt, in den Zellkern
eindringt
und sich mit der DNS verbindet. Nach dem Einblasen empfiehlt es sich,
sofort
die Grenzen um den Klienten herum festzulegen: Imagination,
kreisförmiges
umrasseln und räuchern sind nutzbare Werkzeuge
dafür.
In der Regel
wird noch einiges zu besprechen sein. Dazu gehören
Informationen zu der
vorgenommen Behandlung, den Eindrücken Deiner Sitzung und
spezifischen Informationen
Deiner Geister für den Klienten. Die Zeit nach
Seelenrückholung ist oft genug
mit Arbeit verbunden: es beginnt die Reintegration. Manchmal
kann das ganz
leicht und komplikationslos ablaufen. Oft genug gibt es aber
doch
Probleme. Es können alte Erinnerungen, die mit dem Verlust des
Seelenteils in
Zusammenhang stehen, raufkommen und wollen verarbeitet
werden. Manches davon kann sich über lebhafte
Träume bemerkbar machen,
eventuell kommen längst vergessen
geglaubte Schmerzsyndrome zum
Vorschein. Am besten, Dein Klient nimmt sich besonders die
ersten Tage
nicht zu viel vor und lässt sich viel Zeit für sich
selbst. Ein starker
Seelenteil kann durchaus als kleine, eigenständige
Persönlichkeit betrachtet
werden, der sich erst an die neuen Lebensumstände
gewöhnen muss. Vielleicht
muss sein Besitzer mit ihm regelrecht kommunizieren, im gut zureden,
zuhören,
auf Bedürfnisse achten und auf diese Art allmählich
mit ihm eines werden. Der
Prozess kann durchaus Wochen bis Monate in Anspruch nehmen. Eine gute
Technik,
die ich von Adrian Osswald gelernt habe, ist das Mitgeben eines kleinen
Kraftgegenstandes, der mit der Seelenrückholung in
Zusammenhang steht und
Deinen Patienten in der Zeit danach Unterstützung und Kraft
zukommen lassen
kann. Frag Deine Geister, wie genau das zu bewerkstelligen
ist. Passende
Gegenstände schenkt Dir die Natur - Steine, Federn
und dergleichen.
Vielleicht hast Du auch handwerkliches Talent und musst
selbst etwas
herstellen.
Die
tatsächliche Seelenrückholung ist oft genug eher als
wesentlicher Meilenstein
im Rahmen eines über längere Zeit laufenden
Heilprozesses zu verstehen. Wenn Du
bedenkst, dass insbesondere danach viel Kraft seitens des
Klienten
notwendig ist und im Prinzip die Reintegrationsarbeit von ihm
selbst bewältigt
werden muss lässt sich sicher besser verstehen,
dass solche
Behandlungen nicht sofort für jeden Patienten
geeignet sind. Natürlich
kann und soll ihm dabei durchaus geholfen werden, der Schamane sollte
also für
seinen Klienten erreichbar bleiben, eventuell kann auch
psychotherapeutische
Unterstützung sinnvoll sein. Aber primär muss darauf
geachtet werden, dass der
Patient eine Seelenrückholung überhaupt auch
verkraften kann. Es ist also
wichtig, dass Du Dir als Schamane vor solchen Behandlungen ein
umfassendes Bild
machst und überzeugt bist, dass Dein Klient stark genug ist.
Sollte dem nicht
so sein muss entsprechend vorbereitet werden: wie oben
erwähnt kann das
Vorabgespräche, auch Behandlungen wie Reinigungen und
Extraktionen
beinhalten. Naturheilkundler haben weitere
Möglichkeiten, Vor- und
Nacharbeit mit passenden Methoden zu unterstützen.
Individuelle Kräuterrezepte,
Spagyrika etc können hilfreich sein, sowohl was die Vor- als
auch die
Nachbereitung betrifft. Wenn Du selbst nicht Heilpraktiker oder Arzt
bist könntest
Du darüber nachdenken, entsprechende Kontakte aufzubauen.
Gleiches gilt im
psychotherapeutischen Bereich6.
Das wahrscheinlichste,
was passieren wird, wenn die Seelenrückholung eigentlich noch
gar nicht ansteht
aber trotzdem durchgeführt wird ist, dass sie nicht wirkt. Der
Seelenteil wird
sich sehr schnell wieder verflüchtigen. Problematischer ist
das, wenn wirklich Komplikationen
auftauchen, mit denen der Klient nicht klar kommt. Dann
muss auf jeden
Fall nachbehandelt, vielleicht sogar über fachliche
Unterstützung medizinischer
oder psychiatrischer Art nachgedacht werden. Wenn Deine
Geister gut mit
Dir zusammen arbeiten kann das eigentlich nicht passieren. Ich selbst
habe
dergleichen noch nie erlebt.
Bei einer guten
Seelenrückholung und wenn anschließend nichts
Unvorhersehbares dazwischen
kommt, was den Heilungsprozess massiv behindert, läuft die
zunehmende Integration
des Seelenteils meiner Erfahrung nach oft geradezu von allein. Manchmal
treten
Träume auf, in denen Situationen erlebt werden, die zur
ursprünglichen
Verlustursache in Verbindung stehen. So etwas kann als Verarbeitung und
Ausdruck des fortschreitenden Heilprozesses gesehen werden. Ich
verstehe das
auch als Kommunikation des Seelenteiles, als Kontaktaufnahme mit dem
Ganzen.
Natürlich kann diese Kommunikation auch auf anderen Wegen zu
Stande kommen, im Prinzip
ist da so einiges denkbar, inklusive starker Synchronizitäten
im alltäglichen Leben.
Normale Gesprächsfähigkeit, etwas Erfahrung und
Fingerspitzengefühl sind Deine
besten Garanten, als kompetenter Ansprechpartner und Begleiter
für Deinen
Klienten da sein zu können. Sonstige für Dich
spezielle Fähigkeiten lernst Du
von Deinen Geistern. Im Übrigen: frag am besten sie, wenn Du
mit Fragen
konfrontiert wirst, die Dich verunsichern. Und vergiss nicht, dass Du
als
Schamane in erster Linie schamanisierst. Es ist nicht
Grundvoraussetzung,
Psychologie studiert zu haben, ebenso wenig Medizin, um
Seelenrückholungen
erfolgreich zu machen und anschließend auch kundig und
mitfühlend mit Deinem
Klienten reden zu können, um ihm den Integrationsprozess zu
erleichtern.
Letztlich ist das nämlich vor allem seine Aufgabe, der
Schamane ist in meinem Verständnis
allenfalls Begleiter.
Trotzdem,
eben gerade, wenn Du als Schamane arbeitest (und nicht als Psychologe
z.B.): es
gibt eine Menge zu beachten, eine Menge zu verstehen - und es ist viel
Übung
notwendig, um Seelenrückholungen sicher machen zu
können. Lass Dir also besser
Zeit, bevor Du so etwas auf eigene Verantwortung durchführst.
Ich empfehle dringend,
wenigstens ein entsprechendes Seminar zu besuchen, um ein
Minimum an
Handwerkszeug zu erlernen. Ein fachkundiger Lehrer
ist für solche Techniken
unumgänglich. Im Schamanentum wird viel Wissen direkt
übermittelt: durch
zusehen, nachmachen, mitspüren. Niedergeschriebenes,
theoretisch gelesenes kann
allenfalls Anregungen geben. Doch der eigentliche Funke springt oft in
der
Praxis über - plötzlich wird vieles
verständlich, was bislang im Dunklen
verborgen war und Kräfte werden geweckt, die vorher in der
Tiefe schlummerten.
c
Frank Röpti, München: Dezember 2010
1 Siehe dazu
auch Richard Wilhelms Übersetzungen des Tao Te King und des I
Ging - er übersetzt
den an sich sinnfreien chinesischen Begriff des "Dao" oder
"Tao" mit "Sinn"
2 Das, was
hinter diesem Begriff steht, solltest Du bereisen und vorsichtig
untersuchen.
3 Ich halte
das für wichtig zu verstehen, dass nicht alle
Seelentraumatisierten
zwangsläufig irgendwelchen Mißbräuchen
sexueller oder sonstiger Art ausgesetzt
gewesen sein müssen. Eine Unart im Rahmen der inzwischen
bedauerlicherweise
doch recht verbreiteten pseudopsychologischen Hobby - Esoterik scheint
eben das
zu sein: jedem Klienten mit einem gewissen Maß an
gesundheitlich /
psychologischen Problemen wird ansatzlos ein früher kindlicher
Mißbrauch
attestiert. Der Begriff
„Mißbrauch“ scheint in der
„Esopsychoszene“
derzeit zu den absoluten Favoriten zu gehören. Ich halte das
für bedenklich.
4 So sah ich
bei einem Klienten eine Situation an einem Flughafen, meines Empfindens
nach
einigermaßen weit weg. Ich sah in dort als erwachsener Mann,
er hing am
Flughafen fest, eingeklemmt mit einem Bein zwischen zwei Koffern. Ich
schätzte
den Zeitrahmen nach Gefühl ab: demnach musste sich die
Situation wenige Monate
vorher abgespielt haben. Tatsächlich: der Grund, warum mich
der Mann aufgesucht
hatte war eine „verfahrene Liebeskiste“. Die
Herzensdame war Russin, damals
hatte er sie in ihrer Heimat besucht. Es kam dort zum von ihm
traumatisch
empfundenen Bruch der Beziehung, er wurde von ihr Hals über
Kopf „davon
gejagt“, fand sich regelrecht von „Jetzt auf
Gleich“ am Fluhafen wieder, um den
nächst möglichen Flieger nach Hause zu buchen, auf
den er einige Stunden warten
musste. Ein Gefühl des zwischen den Ländern wenn
nicht Welten hängen, von
verlassen sein, auf sich selbst gestellt und emotional verletzt. Dort
blieb ein
Teil der Seele hängen, was es für ihn in der Folge
unmöglich machte, die
psychisch / emotionale Situation adäquat zu
bewältigen.
5 "Schamanen im
blinden Land", Regie M. Oppitz, BRD / Nepal / USA 1980
6 Vor allem
vor dem Hintergrund, dass Du keine Heilkunde im Sinne des HPG
ausüben darfst,
wenn Du nicht Arzt oder Heilpraktiker bist ist die Überlegung
nahe liegend,
entsprechende Kontakte zu knüpfen. Aufgrund der gesetzlichen
Regelungen
überlässt Du medizinische Abklärungen und
Diagnosen, Absicherungen etc.
am besten den dafür ausgebildeten und vor allem zugelassenen
Fachberufen. Eine
spirituelle Behandlung ist nicht identisch mit einer medizinischen.
Beide können
sich aber gegenseitig "auf die Sprünge" helfen, was eine
gewisse
Vernetztheit der verschiedenen Praktiker bis zu einem gewissem Grad
nahe
legt. Ja: wünschenswert macht.