
| Kernschamanismus |
Der
folgende Aufsatz stellt eine persönliche Betrachtung und
Zusammenfassung zu Dr Michael Harners Methodik des "Coreshamanism" dar.
Auf diese Art möchte ich auch dessen wichtige Arbeit
für das
Wiedererstehen des weltweiten Schamanentums ehren und dafür
danken. Gleiches gilt für die Arbeit seiner weltweite
Organisation
- der Foundation for Shamanic Studies (FSS). Auch wenn ich nicht mit
allem einverstanden sein kann, was bei der FSS so passiert, kann ich
zum derzeitigen Zeitpunkt die Organisation doch empfehlen, wenn es um
die Vermittlung des schamanischen Kernhandwerk´s geht.
Kontakt
über: http://www.shamanicstudies.net/
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Der
Ansatz ist denkbar einfach gehalten. In diesem Weltbild gibt es die
alltägliche, uns allen aus dem täglichen Erleben
bekannte Welt. Jenseits dieser
alltäglichen Wirklichkeit (AW) existiert eine zweite,
paranormale Wirklichkeit,
die so genannte Nichtalltägliche Wirklichkeit (NAW). Im
Prinzip handelt es sich
dabei um ein modernes Synonym für das, was man in unserer
Sprache auch als
Geisterwelt bezeichnet: die Welt des Geistes und der Geister, der
Träume, der
Imaginationen. Es handelt sich um eine andere, den normalen Sinnen des
alltäglichen Erlebens in der Regel verborgene Wirklichkeit.
Welche dieser beiden Wirklichkeiten die
jeweils ausschlaggebende Rolle
zum
jeweiligem Zeitpunkt für das eigene Erleben spielt,
darüber entscheidet der
Zustand des Bewusstseins (state of consciousness): Für jede
Wirklichkeit gibt
es einen zugehörigen Bewusstseinszustand,
demgemäß einen alltäglichen und einen
nichtalltäglichen, veränderten.
Beachtenswert
erscheint mir die Aussage "Wirklichkeit" bzw. "Realität" im
Zusammenhang mit beiden Wirklichkeiten.
Es wird nicht von vornherein unterstellt, es handele sich bei der NAW
um eine
"unreale" oder "eingebildete", eine reine Phantasiewelt. Es
handelt sich eben um eine andere Wirklichkeit,
deren Realität lediglich gänzlich anderer Art ist,
als das, was normalerweise
für "real" gehalten wird. Es ist einfach anders, aber deswegen
nicht
weniger "wirklich". Entscheidend für das, was Wirklichkeit
ist, ist
der Zustand des Bewusstseins: in welcher der Wirklichkeiten befindet
sich der
Schamane zum jeweiligem Zeitpunkt?
Bei der Beurteilung dieses
"Wirklichkeitsgehaltes" spielen nicht
intellektuelle Überlegungen, Schlussfolgerungen und erlerntes
Wissen über die
Natur der Wirklichkeit die ausschlaggebende Rolle, sondern allein das
jeweilige
Empfinden, die Erfahrung: die Welt der Geister stellt sich in der
Wahrnehmung ebenso
real dar - wenn auch anders und eigenen Gesetzen folgend - wie die
alltägliche
Wirklichkeit.
Die Kosmologie verschiedener
schamanistisch geprägter Kulturen
zeigt
bemerkenswerte Ähnlichkeiten - aber auch Unterschiede und
Verfeinerungen,
Detailunterschiede, Erweiterungen etc., die abhängig sind vom
jeweiligen
kulturellem Wissen, den mythologischen Hintergründen, den
Erfahrungen, der
geografischen Lage, klimatische Bedingungen etc. Die Nicht
Alltägliche
Wirklichkeit unterteilt sich wiederum in mehrere "Teilaspekte" oder
Bereiche. Eine immer wiederkehrende Kartografie, die gefunden werden
kann, ist
die Einteilung der NAW in drei Welten (Mittel- Ober und Unterwelt), die
miteinander auf verschiedene Art verbunden sein können und
ineinander
übergehen, bzw. zwischen denen Verbindungen existieren. Die
Mittelwelt ist die
"nichtnormale Entsprechung" bzw. der nichtalltägliche Aspekt
der AW.
Von hier aus können die Bereiche der schamanischen Ober- und
Unterwelt erreicht
werden. Die Orientierung bildet einen wichtigen praktischen Aspekt: es
fällt
auf, dass es sich bei den Bezeichnungen zunächst um
grundlegende Richtungsangaben -
ausgerichtet an menschlichem Denken und Wahrnehmen - handelt.
Aufgabe des
Schamanen ist es unter anderem, die Kosmologie der NAW zu erlernen und
anwendbares
Wissen aus erster Hand, aus eigener Erfahrung zu sammeln. Auch die Art
und
Weise, wie NAW und AW miteinander verbunden sind und sich
gegenseitig
beeinflussen, sind Teil seiner Ausbildung. Er muss lernen, durch
Techniken und
angepasste, kontrollierte Änderung seines
Bewusstseinszustandes die seiner
Aufgabe jeweils passende Welt aufzusuchen, um hier seine Arbeit zu
verrichten.
Der Schamane ist im Regelfall ein Meister der
Bewusstseinszustände und ein
großer Teil seiner Ausbildung ist dieser Meisterschaft
gewidmet.
Die NAW ist die Voraussetzung, welche schamanisches Reisen
überhaupt erst
möglich macht. Die Technik ist eine Möglichkeit, die
Wahrnehmung aus den
Bereichen der Alltäglichen Wirklichkeit abzuziehen und in die
NAW zu verlagern.
Es handelt sich um eine Art Geistreise, eine Bewusstseinsreise. Die
Erfahrung
des "auf dem Weg seins", des "Reisens" oder
"Wanderns" ist es, die die Bezeichnung begründet. Bei Eliade
dominierte
die Bezeichnung „Seelenflug“ als weltweites
schamanisches Charakteristikum.
Damit die Erfahrung gemacht werden kann scheint eine
Änderung des Bewusstseinszustandes
notwendig zu sein. Harner nennt das Ergebnis dieser Änderung
den schamanischen
Bewusstseinszustand (SB). Im Prinzip handelt es sich um eine sehr
leichte Trance,
ein Wort, welches jedoch wegen Definitionsschwierigkeiten eher
vermieden wird.
Der schamanische Bewusstseinszustand ist derjenige, in dem die
schamanische
Reise und Vision erlebt werden kann1. Um den SB zu
erreichen bedient sich
Harner einer einfachen, nichts
desto trotz
aber "urschamanischen" Technik. Die Änderung wird durch
rythmisches,
ostinates Trommeln getriggert. Die Schamanentrommel scheint ein
weiteres
schamanisches Kernelement zu sein, ihre Verwendung spielt im
Schamanismus sehr
vieler Kulturen eine nicht zu übersehende Rolle.
Der Kernschamanismus wird in einer
überschaubaren Reihe
themenzentrierter
Seminare gelehrt. Die notwendigen Basistechniken werden dabei im Rahmen
des
Basisseminars vermittelt und für die Teilnehmer praktisch
erfahrbar gemacht. Im
Rahmen des Kurses, der sich
üblicherweise über 2 Tage erstreckt werden den
Teilnehmern zunächst einige
grundsätzliche Denkmodelle und Hintergründe
erläutert. Im Vordergrund jedoch
steht die praktische Erfahrung schamanischer Methoden und das Erlernen
der Reisetechnik.
Zunächst werden die Teilnehmer
animiert, sich in ihrer
Vorstellung an einen
geeigneten Startplatz als Ausgangspunkt ihrer ersten Reiseerfahrung zu
begeben.
Dies kann ein beliebiger Platz sein, egal ob fiktiv, ein Ort aus der
eigenen
Erinnerung oder einer, den man aus der alltäglichen
Wirklichkeit gut kennt.
Wichtig ist, sich dort wohl zu
fühlen. Derjenige Platz, der
leicht vorstellbar
ist, ist vermutlich der richtige. Dort gilt es, einen Weg zu
suchen, der nach unten führt, eine Art Eingang in
die Erde. Nach Betreten dieses Einganges kommt es
regelmäßig zur Passage eines
mehr oder weniger langen Tunnelbereiches. An dessen Ende sollte man
sich nun in
der Nichtalltäglichen Wirklichkeit befinden, genauer: in einem
Gebiet, welches
in der Unterwelt lokalisiert ist. Die ersten Reisen dieser Art dienen
dazu,
sich mit der Art der Wahrnehmung und einigen grundlegenden
Gesetzmäßigkeiten in
diesem Zustand vertraut zu machen.
In den folgenden Sitzungen wird die
Erfahrung durch Übung
vertieft. Nach den
ersten Gehversuchen erfolgt eine wichtige Aufgabe, die ein weiteres
zentrales
Element des Schamanimus darstellt: die Suche nach und Kontaktaufnahme
mit dem
eigenen Schutzgeist. Dieser Schutzgeist ist ein wohlwollendes
Geistwesen, welches
dem schamanischem Praktiker bei seinen Erfahrungen und seinem Wirken
beistehen,
beraten und beschützen wird. Der größte
Teil persönlicher Kraft fließt dem Schamanen
von diesem Verbündeten zu. Sehr häufig wird das Wesen
in Tiergestalt
angetroffen. "Krafttier" ist demgemäß eine weit
verbreitete und
typische Bezeichnung. Selbstverständlich kann es auch in
beliebiger anderer
Gestalt erscheinen. Als Ort für die Suche wird wiederum die
schamanische
Unterwelt gewählt, was jedoch keinen Absolutheitsanspruch hat.
Es ist ebenso
möglich, dass das Wesen in der Oberwelt wartet und dort
gefunden werden kann.
Ein ähnlich wichtiges Thema im
Rahmen des Basiskurses ist die
Kontaktaufnahme
zum schamanischem Lehrer. Die Technik bleibt ähnlich:
schamanische Reise in der
NAW mit dem Ziel, den schamanischen Lehrer aufzusuchen. Er kann oft in
der
Oberwelt am besten gefunden werden. Der Weg dorthin wird auf
ähnliche Art und
Weise eingeschlagen, also wiederum über den Startplatz, dort
muss ein Weg in
die Oberwelt gesucht werden. Idealerweise ist der Schutzgeist
behilflich. Weitere Grundelemente, die im Basiskurs
vermittelt werden, sind
Techniken wie
das Steinorakel, das Zurückbringen der Schutzgeistkraft
für einen Klienten oder
die Geistbootreise einer Schamanengruppe. Besonderes Augenmerk nimmt
das Lösen
von Problemen und Fragestellungen mit Hilfe der erlernten Techniken
ein. Mir
fällt auf, dass - so unterschiedlich all
diese Techniken auch erscheinen mögen - eine Gemeinsamkeit
wesentliche Rolle
spielt: der Einsatz des eigenen Bewusstseins (und des
Bewusstseinszustandes)
ist immer wieder Mittelpunkt der schamanischen Übungen und des
Trainings.
Die Auswahl der vermittelten Techniken
orientiert sich eng an Harners
Buch und
die Erfahrung zeigt: es bewährt sich in Theorie und Praxis.
Sein Vorgehen dabei
ist hervorragend aufgebaut (und in meinen Augen "typisch"
schamanisch): In deutlichen klaren Worten beschreibt er das
grundlegende
Weltbild und Grundverständnis sowie die zugehörigen
Techniken. Er bleibt dabei
am Boden, ein Vorgehen, welches insbesondere in Anbetracht der
eigenartigen
Gewächse, die die heutige westliche Esoterik so treibt, zu
begrüßen ist.
Schamanismus ist eine Technik des spirituellen Zuganges, welche sich
direkt am
Leben und seinen Gegebenheiten orientiert und diesem entspringt. Die
Reise geht
von der Alltäglichen Wirklichkeit aus, sie ist
zunächst das Zentrum und es
wird Wert darauf gelegt, von diesem Zentrum aus zu schamanisieren, mit
beiden
Füßen fest auf dem Boden zu stehen.
Im Prinzip ist der angehende Schamanist
mit der Technik der
schamanischen Reise
und der schamanischen Vision
hervorragend gewappnet. Er hat damit eine
effektive Möglichkeit an der Hand, die NAW selbst zu
untersuchen, und auf der
Basis seiner Erfahrungen eigene Rückschlüsse zu
ziehen. Schamanen sind auch empirische
Wissenschaftler. Ein großer Teil des Entwicklungsprozesses
hat mit der
Erforschung und Erkundung schamanischer Prinzipien, Welten und
Zusammenhänge zu
tun. Im Laufe des Prozesses ist das Sammeln von Wissen über
die Natur der
Wirklichkeit, die NAW, die alltägliche Wirklichkeit und die
Zusammenhänge von
entscheidender Bedeutung.
Grundlegend versetzt das schamanische
Training in die Lage, das eigene
Bewusstsein, den eigenen Spirit als das Zentrum persönlicher
schamanischer
Praxis zu erkennen, zu stärken und einzusetzen. Schamanische
Arbeit findet nie
allein statt sondern steht häufig in Bezug zu "etwas".
Vornherein sei
hier die NAW genannt, sowie die Verbündeten, die auf dem
schamanischem Weg die
wichtigsten Begleiter sind. Im weiteren Entwicklungs- und Lernprozess
werden
sie zur einer schützenden und gleichzeitig lehrenden Kraft:
die Geister selbst
werden Lehrer, welche den weiteren Weg des Schamanisten erheblich
beeinflussen.
Dies ist auch eines der erklärten Ziele des Kernschamanismus.
Das "Ausbildungsangebot"
ist absichtlich schlank gehalten. Die schamanischen Praktiker sollen
ihre
eigenen Erfahrungen machen, sich selbst weiter entwickeln und ein
vertrauensvolles Verhältnis mit ihren Verbündeten
entwickeln. Soweit ich das überblicken kann werden folgende
Grund - (oder Ur-) Prinzipien
in der schamanischen Grundausbildung und Arbeitstechnik angesprochen:
Die folgenden Kurse beschäftigen sich intensiver mit spezielleren Arbeitsgebieten und vertiefen den Zugang zum schamanischen Abenteuer:
Neben der Foundation for schamanic Studies (FSS), der Organisation, die von Harner ins Leben gerufen wurde, gibt es mittlerweile kleinere GruppenNetzwerke und auch Einzelpersonen, die sich in der Grundstrultur schamanischer Lehrpraxis teilweise an Harners Modell orientieren. Die Fss bietet ein besonderes "Special" an: eine 3 Jahres Ausbildung, deren Ziel intensives und vertieftes schamanisches Training ist. Ähnliches kann man bei anderen Anbietern finden, beim regionaleren Arbeitskreis für Schamanistik (AFS) bieten beispielsweise einige Beteiligte längerfristige schamanische Trainings an. Es geht dabei vor allem um gemeinsames Arbeiten und intensives Üben schamanischer Techniken. Im Prinzip ist die Idee seitens des Kernschamanismus, dass der Hauptteil der Ausbildung durch die Geister vorgenommen wird. Andererseits ist es eigentlich unumgänglich, sich mit anderen Praktikern kurz zu schließen und fähige und kompetente Lehrer dieser Kunst aufzusuchen. Vor allem werden auf diese Art auch Verbindungen unter Praktikern geknüpft. Es entwickelt sich allmählich eine Art (trotzdem kunterbunte und individualistische) Gemeinschaft.
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