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Kernschamanismus
Der folgende Aufsatz stellt eine persönliche Betrachtung und Zusammenfassung zu Dr Michael Harners Methodik des "Coreshamanism" dar. Auf diese Art möchte ich auch dessen wichtige Arbeit für das Wiedererstehen des weltweiten Schamanentums ehren und dafür danken. Gleiches gilt für die Arbeit seiner weltweite Organisation - der Foundation for Shamanic Studies (FSS). Auch wenn ich nicht mit allem einverstanden sein kann, was bei der FSS so passiert, kann ich zum derzeitigen Zeitpunkt die Organisation doch empfehlen, wenn es um die Vermittlung des schamanischen Kernhandwerk´s geht. Kontakt über: http://www.shamanicstudies.net/

   Schamanismus als Bezeichnung wird, wie an anderer Stelle bereits ausgeführt, in der westlichen Welt als Synonym für spirituelle Denk- und Handlungsweisen verwendet, wie sie in ähnlicher Art rund um den Globus immer wieder gefunden werden. In diesem Verständnis handelt es sich um Phänomene, die zu anderen Zeiten oder in anderen Sprachregionen natürlich mit anderen Begriffen kommuniziert wurden. Teilweise sind diese Begriffe immer noch geläufig.

    Der Anthropologe Dr. Michael Harner hat sich in Feldforschungen und eigenen Experimenten intensiv mit schamanischen Praktiken beschäftigt. Im Rahmen dieser Forschungsarbeiten wurde er durch persönliche Erfahrungen intensiv in schamanische Techniken und Verfahrensweisen amerikanischer Ureinwohner eingeführt - praktisch, nicht allein theoretisch oder durch externe Beobachtungen. Er hat sich mitten hinein begeben in das schamanische Abenteuer. Seine Erfahrungen haben ihn ermutigt, sich intensiver in Theorie und Praxis mit diesen Phänomenen auseinanderzusetzen. Im Laufe der Zeit, durch praktische Forschungen, schamanisches Training, Konsultation verschiedener Lehrer und vergleichende Literaturstudien ist es ihm gelungen, immer wieder auftauchende Kernelemente schamanistischer Praktiken zu identifizieren und für den westlich geschulten Menschen versteh- und handhabbar zu machen. Das Resultat seiner Arbeiten ist in der westlichen Welt heute unter dem Begriff Coreschamanismus bekannt. Es handelt sich um eine Sammlung von Techniken sowie ein entsprechendes Verständnismodell, welches in dieser Art vermutlich den Kern oder die Basis, gleichsam das Skelett jeglicher schamanischer Praxis bildet bzw. bilden kann. Dieser Kern bildet heute für viele westliche Praktiker das Sprungbrett, sich schamanisches Denken und Handeln zu erschließen.

    In seinem Buch der "Der Weg des Schamanen" beschreibt Harner in hervorragender, komprimierter und verständlicher Form die Ergebnisse seiner Arbeit: eine praktische Anleitung, die zugeschnitten auf den westlich geprägten Menschen an die Basistechniken schamanischer Arbeit heranführt. Sein Schamanismus ist nichts anderes als eine Art schamanisches Skelett. Die etwas ruppige Bezeichnung steht letztlich in gut bekannter Tradition. Die Knochen und das Skelett spielen in vielen schamanischen Mythen und Überlieferungen eine besondere Rolle. Im Rahmen einer solchen Ausbildung treten an markanten Punkten immer wieder Erlebnisse auf, die als "Zerstückelungen" bezeichnet werden. Dabei wird der künftige Schamane in einer Reihe von Visionen bis auf seine Knochen zerlegt. Entsprechungen in Form von Krankheiten, psychischen Auffälligkeiten und ähnlichem treten im Leben der Betroffenen auf. Der ganze Komplex kann als "Schamanenkrankheit" bezeichnet werden und ist häufig Teil der Ausbildung des künftigen Schamanen durch seine Geister und Verbündeten. Das Entfernen von "Unnötigem", das Reduzieren auf die "nackte Essenz" des Schamanen und die anschließende Neuzusammensetzung sind allesamt Faktoren, die eine Rolle spielen. In dem Prozess wird der Schamane zu einer neuen "Gestalt" geführt. Seine Persönlichkeit wird geschliffen und geprüft und nicht selten geht es dabei doch recht hart zu, weshalb diese Erlebnisse sich als Krisensituationen, Krankheiten und dergleichen manifestieren können. Die Arbeit des Schamanen (und seine Ausbildung) ist nicht immer nur ein abenteuerliches Vergnügen - der werdende Schamane wird im Laufe dieser Prozesse allmählich mit "allen Wassern gewaschen", um später auch in extremen Situationen seine Arbeit verrichten zu können und dabei stark und stabil zu bleiben. Je stärker der künftige Schamane, desto härter kann der Weg dahin sein.
Interessant ist, dass sich der Kernschamanismus Harners in ähnlicher Weise betrachten lässt. Die pure, auf die Essenz reduzierte Technik, um sie anschließend wieder in neuem Gewand zusammen zu setzen, die schamanischen Knochen zu beleben und im modernen Lebensumfeld verwenden zu können.

 
Kosmologie

    Der Ansatz ist denkbar einfach gehalten. In diesem Weltbild gibt es die alltägliche, uns allen aus dem täglichen Erleben bekannte Welt. Jenseits dieser alltäglichen Wirklichkeit (AW) existiert eine zweite, paranormale Wirklichkeit, die so genannte Nichtalltägliche Wirklichkeit (NAW). Im Prinzip handelt es sich dabei um ein modernes Synonym für das, was man in unserer Sprache auch als Geisterwelt bezeichnet: die Welt des Geistes und der Geister, der Träume, der Imaginationen. Es handelt sich um eine andere, den normalen Sinnen des alltäglichen Erlebens in der Regel verborgene Wirklichkeit. Welche dieser beiden Wirklichkeiten die jeweils ausschlaggebende Rolle zum jeweiligem Zeitpunkt für das eigene Erleben spielt, darüber entscheidet der Zustand des Bewusstseins (state of consciousness): Für jede Wirklichkeit gibt es einen zugehörigen Bewusstseinszustand, demgemäß einen alltäglichen und einen nichtalltäglichen, veränderten.
Beachtenswert erscheint mir die Aussage "Wirklichkeit" bzw. "Realität" im Zusammenhang mit beiden Wirklichkeiten. Es wird nicht von vornherein unterstellt, es handele sich bei der NAW um eine "unreale" oder "eingebildete", eine reine Phantasiewelt. Es handelt sich eben um eine andere Wirklichkeit, deren Realität lediglich gänzlich anderer Art ist, als das, was normalerweise für "real" gehalten wird. Es ist einfach anders, aber deswegen nicht weniger "wirklich". Entscheidend für das, was Wirklichkeit ist, ist der Zustand des Bewusstseins: in welcher der Wirklichkeiten befindet sich der Schamane zum jeweiligem Zeitpunkt?
Bei der Beurteilung dieses "Wirklichkeitsgehaltes" spielen nicht intellektuelle Überlegungen, Schlussfolgerungen und erlerntes Wissen über die Natur der Wirklichkeit die ausschlaggebende Rolle, sondern allein das jeweilige Empfinden, die Erfahrung: die Welt der Geister stellt sich in der Wahrnehmung ebenso real dar - wenn auch anders und eigenen Gesetzen folgend - wie die alltägliche Wirklichkeit.
Die Kosmologie verschiedener schamanistisch geprägter Kulturen zeigt bemerkenswerte Ähnlichkeiten - aber auch Unterschiede und Verfeinerungen, Detailunterschiede, Erweiterungen etc., die abhängig sind vom jeweiligen kulturellem Wissen, den mythologischen Hintergründen, den Erfahrungen, der geografischen Lage, klimatische Bedingungen etc. Die Nicht Alltägliche Wirklichkeit unterteilt sich wiederum in mehrere "Teilaspekte" oder Bereiche. Eine immer wiederkehrende Kartografie, die gefunden werden kann, ist die Einteilung der NAW in drei Welten (Mittel- Ober und Unterwelt), die miteinander auf verschiedene Art verbunden sein können und ineinander übergehen, bzw. zwischen denen Verbindungen existieren. Die Mittelwelt ist die "nichtnormale Entsprechung" bzw. der nichtalltägliche Aspekt der AW. Von hier aus können die Bereiche der schamanischen Ober- und Unterwelt erreicht werden. Die Orientierung bildet einen wichtigen praktischen Aspekt: es fällt auf, dass es sich bei den Bezeichnungen zunächst  um grundlegende Richtungsangaben - ausgerichtet an menschlichem Denken und Wahrnehmen - handelt.
Aufgabe des Schamanen ist es unter anderem, die Kosmologie der NAW zu erlernen und anwendbares Wissen aus erster Hand, aus eigener Erfahrung zu sammeln. Auch die Art und Weise, wie NAW und AW miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen, sind Teil seiner Ausbildung. Er muss lernen, durch Techniken und angepasste, kontrollierte Änderung seines Bewusstseinszustandes die seiner Aufgabe jeweils passende Welt aufzusuchen, um hier seine Arbeit zu verrichten.
Der Schamane ist im Regelfall ein Meister der Bewusstseinszustände und ein großer Teil seiner Ausbildung ist dieser Meisterschaft gewidmet.  

Das Kernelement der Praxis: Die schamanische Reise

    Die NAW ist die Voraussetzung, welche schamanisches Reisen überhaupt erst möglich macht. Die Technik ist eine Möglichkeit, die Wahrnehmung aus den Bereichen der Alltäglichen Wirklichkeit abzuziehen und in die NAW zu verlagern. Es handelt sich um eine Art Geistreise, eine Bewusstseinsreise. Die Erfahrung des "auf dem Weg seins", des "Reisens" oder "Wanderns" ist es, die die Bezeichnung begründet. Bei Eliade dominierte die Bezeichnung „Seelenflug“ als weltweites schamanisches Charakteristikum.
Damit die Erfahrung gemacht werden kann scheint eine Änderung des Bewusstseinszustandes notwendig zu sein. Harner nennt das Ergebnis dieser Änderung den schamanischen Bewusstseinszustand (SB). Im Prinzip handelt es sich um eine sehr leichte Trance, ein Wort, welches jedoch wegen Definitionsschwierigkeiten eher vermieden wird. Der schamanische Bewusstseinszustand ist derjenige, in dem die schamanische Reise und Vision erlebt werden kann1. Um den SB zu erreichen bedient sich Harner einer einfachen, nichts desto trotz aber "urschamanischen" Technik. Die Änderung wird durch rythmisches, ostinates Trommeln getriggert. Die Schamanentrommel scheint ein weiteres schamanisches Kernelement zu sein, ihre Verwendung spielt im Schamanismus sehr vieler Kulturen eine nicht zu übersehende Rolle.

    Der Kernschamanismus wird in einer überschaubaren Reihe themenzentrierter Seminare gelehrt. Die notwendigen Basistechniken werden dabei im Rahmen des Basisseminars vermittelt und für die Teilnehmer praktisch erfahrbar gemacht. Im Rahmen des Kurses, der sich üblicherweise über 2 Tage erstreckt werden den Teilnehmern zunächst einige grundsätzliche Denkmodelle und Hintergründe erläutert. Im Vordergrund jedoch steht die praktische Erfahrung schamanischer Methoden und das Erlernen der Reisetechnik.
Zunächst werden die Teilnehmer animiert, sich in ihrer Vorstellung an einen geeigneten Startplatz als Ausgangspunkt ihrer ersten Reiseerfahrung zu begeben. Dies kann ein beliebiger Platz sein, egal ob fiktiv, ein Ort aus der eigenen Erinnerung oder einer, den man aus der alltäglichen Wirklichkeit gut kennt.
Wichtig ist, sich dort wohl zu fühlen. Derjenige Platz, der leicht vorstellbar ist, ist vermutlich der richtige. Dort  gilt es, einen Weg zu suchen, der nach unten führt, eine Art Eingang in die Erde. Nach Betreten dieses Einganges kommt es regelmäßig zur Passage eines mehr oder weniger langen Tunnelbereiches. An dessen Ende sollte man sich nun in der Nichtalltäglichen Wirklichkeit befinden, genauer: in einem Gebiet, welches in der Unterwelt lokalisiert ist. Die ersten Reisen dieser Art dienen dazu, sich mit der Art der Wahrnehmung und einigen grundlegenden Gesetzmäßigkeiten in diesem Zustand vertraut zu machen.
In den folgenden Sitzungen wird die Erfahrung durch Übung vertieft. Nach den ersten Gehversuchen erfolgt eine wichtige Aufgabe, die ein weiteres zentrales Element des Schamanimus darstellt: die Suche nach und Kontaktaufnahme mit dem eigenen Schutzgeist. Dieser Schutzgeist ist ein wohlwollendes Geistwesen, welches dem schamanischem Praktiker bei seinen Erfahrungen und seinem Wirken beistehen, beraten und beschützen wird. Der größte Teil persönlicher Kraft fließt dem Schamanen von diesem Verbündeten zu. Sehr häufig wird das Wesen in Tiergestalt angetroffen. "Krafttier" ist demgemäß eine weit verbreitete und typische Bezeichnung. Selbstverständlich kann es auch in beliebiger anderer Gestalt erscheinen. Als Ort für die Suche wird wiederum die schamanische Unterwelt gewählt, was jedoch keinen Absolutheitsanspruch hat. Es ist ebenso möglich, dass das Wesen in der Oberwelt wartet und dort gefunden werden kann.
Ein ähnlich wichtiges Thema im Rahmen des Basiskurses ist die Kontaktaufnahme zum schamanischem Lehrer. Die Technik bleibt ähnlich: schamanische Reise in der NAW mit dem Ziel, den schamanischen Lehrer aufzusuchen. Er kann oft in der Oberwelt am besten gefunden werden. Der Weg dorthin wird auf ähnliche Art und Weise eingeschlagen, also wiederum über den Startplatz, dort muss ein Weg in die Oberwelt gesucht werden. Idealerweise ist der Schutzgeist behilflich. Weitere Grundelemente, die im Basiskurs vermittelt werden, sind Techniken wie das Steinorakel, das Zurückbringen der Schutzgeistkraft für einen Klienten oder die Geistbootreise einer Schamanengruppe. Besonderes Augenmerk nimmt das Lösen von Problemen und Fragestellungen mit Hilfe der erlernten Techniken ein. Mir fällt auf,  dass - so unterschiedlich all diese Techniken auch erscheinen mögen - eine Gemeinsamkeit wesentliche Rolle spielt: der Einsatz des eigenen Bewusstseins (und des Bewusstseinszustandes) ist immer wieder Mittelpunkt der schamanischen Übungen und des Trainings.
Die Auswahl der vermittelten Techniken orientiert sich eng an Harners Buch und die Erfahrung zeigt: es bewährt sich in Theorie und Praxis. Sein Vorgehen dabei ist hervorragend aufgebaut (und in meinen Augen "typisch" schamanisch): In deutlichen klaren Worten beschreibt er das grundlegende Weltbild und Grundverständnis sowie die zugehörigen Techniken. Er bleibt dabei am Boden, ein Vorgehen, welches insbesondere in Anbetracht der eigenartigen Gewächse, die die heutige westliche Esoterik so treibt, zu begrüßen ist. Schamanismus ist eine Technik des spirituellen Zuganges, welche sich direkt am Leben und seinen Gegebenheiten orientiert und diesem entspringt. Die Reise geht von der Alltäglichen Wirklichkeit aus, sie ist zunächst das Zentrum und es wird Wert darauf gelegt, von diesem Zentrum aus zu schamanisieren, mit beiden Füßen fest auf dem Boden zu stehen.

    Im Prinzip ist der angehende Schamanist mit der Technik der schamanischen Reise und der schamanischen Vision hervorragend gewappnet. Er hat damit eine effektive Möglichkeit an der Hand, die NAW selbst zu untersuchen, und auf der Basis seiner Erfahrungen eigene Rückschlüsse zu ziehen. Schamanen sind auch empirische Wissenschaftler. Ein großer Teil des Entwicklungsprozesses hat mit der Erforschung und Erkundung schamanischer Prinzipien, Welten und Zusammenhänge zu tun. Im Laufe des Prozesses ist das Sammeln von Wissen über die Natur der Wirklichkeit, die NAW, die alltägliche Wirklichkeit und die Zusammenhänge von entscheidender Bedeutung.
Grundlegend versetzt das schamanische Training in die Lage, das eigene Bewusstsein, den eigenen Spirit als das Zentrum persönlicher schamanischer Praxis zu erkennen, zu stärken und einzusetzen. Schamanische Arbeit findet nie allein statt sondern steht häufig in Bezug zu "etwas". Vornherein sei hier die NAW genannt, sowie die Verbündeten, die auf dem schamanischem Weg die wichtigsten Begleiter sind. Im weiteren Entwicklungs- und Lernprozess werden sie zur einer schützenden und gleichzeitig lehrenden Kraft: die Geister selbst werden Lehrer, welche den weiteren Weg des Schamanisten erheblich beeinflussen. Dies ist auch eines der erklärten Ziele des Kernschamanismus. Das "Ausbildungsangebot" ist absichtlich schlank gehalten. Die schamanischen Praktiker sollen ihre eigenen Erfahrungen machen, sich selbst weiter entwickeln und ein vertrauensvolles Verhältnis mit ihren Verbündeten entwickeln. Soweit ich das überblicken kann werden folgende Grund - (oder Ur-) Prinzipien in der schamanischen Grundausbildung und Arbeitstechnik angesprochen:

Die folgenden Kurse beschäftigen sich intensiver mit spezielleren Arbeitsgebieten und vertiefen den Zugang zum schamanischen Abenteuer:

    Neben der Foundation for schamanic Studies (FSS), der Organisation, die von Harner ins Leben gerufen wurde, gibt es mittlerweile kleinere GruppenNetzwerke und auch Einzelpersonen, die sich in der Grundstrultur schamanischer Lehrpraxis teilweise an Harners Modell orientieren. Die Fss bietet ein besonderes "Special" an: eine 3 Jahres Ausbildung, deren Ziel intensives und vertieftes schamanisches Training ist. Ähnliches kann man bei anderen Anbietern finden, beim regionaleren Arbeitskreis für Schamanistik (AFS) bieten beispielsweise einige Beteiligte längerfristige schamanische Trainings an. Es geht dabei vor allem um gemeinsames Arbeiten und intensives Üben schamanischer Techniken. Im Prinzip ist die Idee seitens des Kernschamanismus, dass der Hauptteil der Ausbildung durch die Geister vorgenommen wird. Andererseits ist es eigentlich unumgänglich, sich mit anderen Praktikern kurz zu schließen und fähige und kompetente Lehrer dieser Kunst aufzusuchen. Vor allem werden auf diese Art auch Verbindungen unter Praktikern geknüpft. Es entwickelt sich allmählich eine Art (trotzdem kunterbunte und individualistische) Gemeinschaft.

    Nebenbemerkungen

   Selbstverständlich wird niemand „Schamane“, weil er bei einem geeigneten Anbieter einige Seminare besucht hat. Was vermittelt werden kann sind Grundlagen des Handwerks, eine wie auch immer geartete Begabung kann und soll so natürlich nicht erkauft werden. Es kann aber dabei geholfen werden, den Umgang mit einer Begabung zu erlernen. Schamanismus ist eben - jenseits der Begabung – zunächst ein Handwerk, welches erlernt werden muss wie jedes andere auch. Solcherlei Kunst zu lehren und das Ganze in Arbeitskreisen, Seminarstrukturen und dergleichen zu koordinieren ist in unserer Kultur inzwischen gängig und damit "kultureller Standard".
Mancher mag vielleicht pikiert sein ob der Kosten. Ich werde da manchmal mit seltsamsten Argumenten konfrontiert, die in etwa nach "Spiritualität darf doch nichts kosten" klingen. Es ist absolut normal und obendrein Tradition: Ausbildungen dieser Art kosten nun mal etwas. Harner selbst gibt einen deutlichen Hinweis darauf, auch bei indigenen Völkern: "Die Standardbezahlung für schamanische Einweihung ist bei den Jivaro - mindestens - ein Vorderlader" und er selbst bezahlt - um Wissen und Hilfsgeister zu erwerben - seinen Lehrer vorab mit einer Winchester und zwei Packungen Patronen. Die Mythen, Märchen, Überlieferungen und Geschichten, in welcher Form auch immer sie sich mit "Schamanismus" im weitesten Sinne beschäftigen mögen, sind im Übrigen voll von entsprechenden Hinweisen: es ist auch ein Handwerk, es ist eine Wissenschaft und die Ausbildung ist niemals umsonst - weder materiell noch spirituell gesehen. Aus meiner Sicht waren die wenigen Euros, welche ich in einige ausgewählte Ausbildungsseminare dieser Art investiert habe, eine der fruchttragendsten und lebendigsten Investitionen, die ich selbst überhaupt tätigen konnte. Es erscheint mir trotzdem wichtig darauf hinzuweisen, dass der esoterisch / spirituelle Sektor ganz sicher NICHT vor Scharlatanen und Menschen, denen es in erster Linie um Geldverdienen geht, gefeit ist! Man kann es auch übertreiben mit den Kosten - und genau das wird auch gelegentlich getan. Die Preisliste der FSS halte ich für einen hervorragenden Maßstab, an dem man sich als Interessent gut orientieren kann. Alles was weit darüber hinaus geht darf hinterfragt werden.
© Frank Röpti, München: Juni 2010

1 In meiner persönlichen Denkweise ist Wahrnehmung etwas Entscheidendes. "Schamanische Sichtigkeit" - die Wahrnehmung im veränderten Bewusstseinszustand - ist in diesem Sinne für den schamanischen Weg einer der wesentlichsten "Kerne". Die Überlegung führt sehr schnell zum Kern jeglicher Erfahrung, in welcher der Welten auch immer. Dieser Kern ist das eigene Bewusstsein, bzw. der eigene "Spirit", ohne den persönliche Erfahrung, welcher Art auch immer, wohl nicht möglich wäre. Zumindest gehe ich von dieser Arbeitshypothese aus und konnte sie mir bisher nicht selbst widerlegen. Außer diesem "Erfahrungskern" an sich benötigt es auch etwas, was wahrgenommen werden kann: hier setzt beispielsweise die Kosmologie an, ganz gleich, welcher grundsätzlichen Weltanschauung sie entspringt.

Weblinks:
foundation for schamanic studies - Europa
foudation for shamanic studies - Amerika
Harner, M "Der Weg des Schamanen"
Uccusic, P. "Der Schamane in uns"


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