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Extraktion

Bitte beachte: „schamanische Behandlungen“ sind keine medizinischen Behandlungen im herkömmlichen Sinne. Es handelt sich um spirituelle Behandlungsformen. Ein Schamane ist in der Regel auch kein Arzt oder Heilpraktiker – sondern zunächst ein spiritueller Spezialist. Heilende Auswirkungen auf körperliche oder psychische Gebrechen, Leiden oder Krankheiten können im Zuge einer schamanischen Zuwendung auftreten. Aber dergleichen kann nicht garantiert werden. Die Konsultation eines Arztes, Heilpraktikers oder Psychotherapeuten kann und soll also in keinem Fall durch einen Schamanen ersetzt werden. 

Im Weiteren weise ich auch hier darauf hin, dass schamanische Techniken im Zweifelsfall immer bei einem erfahrenen Lehrer, der selbst seit vielen Jahren praktiziert, erlernt werden müssen. Ich habe keinerlei Verständnis für Menschen, die meinen, dass ihnen dieses Wissen und Können in die Wiege gelegt wurde und die das jahrelange Training, dem sich verantwortungsvolle Seidhleute unterziehen, belächeln und für sich als nicht notwendig erachten. Irgendwo ein bisschen was zu lesen und zu meinen „das reicht mir schon, das kann ich eh“ – ist für mich nicht nur absolut daneben sondern fahrlässige, indiskutable Selbstüberschätzung.     


Schamanische Pathologie ist in Grundzügen zunächst einfach. Einerseits kann dem Klienten etwas fehlen. Seelenteile oder die Kraft des Schutzgeistes, Vitalenergie oder einfach Wissen (auch eine Form von Kraft). Andererseits kann er auch zu viel von etwas haben. Dabei setzen sich fremdartige Kräfte, Geistwesen, Seelenteile, auch "Geisterpfeile" oder dergleichen im Seelenkörper Deines Klienten fest1. Oft genug geht beides Hand in Hand: Traumatische Erlebnisse können Seelenteilverluste auslösen. Solche Kraftverluste hinterlassen im Energiekörper "Leerstellen", die Fremdkörpern Platz zum einnisten lassen.
Aufgabe des Schamanen ist es, solche Eindringlinge zu erkennen und nachhaltig zu entfernen. Im Folgenden beschäftigen wir uns mit einigen Aspekten, wie so etwas bewerkstelligt werden kann.

    Zunächst brauchst Du eine Diagnose. Der Begriff ist schwierig, weil er mit konventioneller Medizin assoziiert ist. Ich "darf" diesen Begriff benutzen, weil ich Heilpraktiker bin und natürlich auch als solcher arbeite, wenn ich Klientensitzungen mache. Ich sehe auch nicht ein, mich da in Begriffs - Kreationen künstlich zu verbiegen, weil ich für mich sehr genau weiß, wann ich von einer schamanischen Diagnose spreche, wann von einer kinesiologischen und wann von einer schulmedizinischen – und wie ich diese Arten von Diagnosen (es gibt da noch ein paar mehr, wie Du Dir vorstellen kannst) jeweils zu beurteilen und gewichten habe. Für Menschen, die weder Arzt noch Heilpraktiker sind ist das etwas schwieriger, weshalb gern versucht wird, dem Wort aus dem Weg zu gehen. Oder er wird umschrieben in einer Art, die eine Verwechslung mit dem üblichen medizinischen Diagnose - Begriff verhindert.
Es ist trotzdem interessant, sich kurz mit dem Ausdruck zu beschäftigen, der aus dem Griechischen übernommen wurde. "Dia" meint ein "hindurch", "gnose" ist das "Sehen" oder "Erkennen". Es ist kaum dran vorbei zu kommen: das "Hinein" oder "Hindurchsehen" im heilerischen Kontext, um zu erkennen, was einem Klienten fehlt. Wenn Du also im schamanischen Bewusstseinszustand einen Blick auf Deinen Klienten wirfst, um in sein inneres, seinen "Geist-", "Energie-" oder "Seelenkörper" zu sehen, dann diagnostizierst Du damit im eigentlichen Sinne des Wortes. Allerdings nicht im heutigen medizinischen Sinne - sondern eben im ursprünglichen2. Die Diagnose bei der schamanischen Klientensitzung meint auch, dass Du Dir im Klaren bist über das Extrakt, sprich eine deutliche und möglichst zweifelsfreie Vorstellung davon hast, weiter, dass Du Dir der Auskünfte und Unterstützung Deiner Verbündeten dazu sicher bist und im Großen und Ganzen zweifelsfrei bist bezüglich dessen, was Du tun kannst - und dessen was Du lassen solltest. Und immer wieder: beim Schamanisieren sind Deine Schutzgeister, die Verbündeten eine der wichtigsten Instanzen! Am besten wird sein, Du vertraust Dich ihnen an und lässt was möglich ist durch sie erledigen.
In Seidhvision zeigen sich zu extrahierende Fremdkörper unterschiedlich3. Das hängt ab von der eigenen Erwartungshaltung, der Intention, der Ebene, auf der Du Deinen Klienten betrachtest, dem Extrakt selbst usw. Ohne Verbündete geht natürlich gar nichts und ich versichere mich immer deren Unterstützung, bevor ich mich an die eigentliche Diagnose mache. Dann verschaff ich mir einen allgemeinen Überblick, das heißt, ich frage zunächst die Geister, was für den Klienten getan werden kann und muss. Wenn ein Extraktionsproblem im Vordergrund steht kommen erste deutliche Hinweise bereits hier. Im Weiteren habe ich mir angewöhnt, gezielt nach extraktionswürdigen Fremdkörpern zu suchen. Dafür benutze ich verschiedene Paradigmen oder Ebenen, nach denen sich solch ein Energiekörper einteilen lässt. Wenn Du das für Dich verwenden willst wird es nicht ausbleiben, Dir dazu Dein eigenes Verständnis zu erarbeiten. Ich verwende kurze, impulsartige Willenssätze, um zwischen den einzelnen Ebenen "umzuschalten". Solche Ebenen können verschiedene aurische Schichten sein, Organe und Organsysteme, Körperregionen oder auch das „weitere Lebensumfeld des Klienten“ (wirf mal einen Blick hinter ihn ...). An der Stelle bringt es meiner Meinung nach gar nichts, Paradigmen zur Energiekörper - Anatomie vorzugeben. Ich werde mich also nicht irgendeiner esoterischen Meinung bezüglich definierter Energiebenen, Chakrensystemen etc. anschließen. Es obliegt Dir und Deinen Geistern, Dir einen Zugang zu eröffnen und diesen im Laufe der Zeit und mit wachsender Erfahrung auszubauen. Frag sie! 
Bei diesen Impulsen halte ich mich nicht allzu lange auf. Ich gehe zügig die verschiedenen Ebenen durch, ohne mir groß Zeit zum Nachdenken zu geben. Es ist auch günstiger, möglichst nicht mit zu vielen Vorabinformationen an die Diagnose zu gehen: wenn Dir Dein Klient erzählt, dass er vermutlich einen Geisterpfeil von seinem Nachbarn abbekommen hat steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Du sowas auch entdecken wirst, obwohl das eigentliche Problem ein ganz anderes sein könnte. Es braucht einiges an Erfahrung und Reflektionsvermögen, solchen Vorprogrammierungen nicht auf den Leim zu gehen und Deine Diagnose vorurteilsfrei zu machen.  
Bezüglich Diagnose - Techniken gibt es natürlich sehr viel mehr Möglichkeiten. Als Beispiele seien die Inspektion des Kraftplatzes oder der Lebensbaumes des Klienten genannt. Du könntest auch die Quelle des Lebens aufsuchen oder Dich von Deinen Verbündeten in der Geisterwelt zu einem Ort bringen lassen, der Dir Hinweise auf zu extrahierende Fremdkörper gibt. Innerhalb der FSS4 wird soweit mir bekannt ist, öfter mit der Tunnel - Schau gearbeitet. Dabei werden der Eingang zur Unterwelt und der Tunnel selbst auf Fremdkörper untersucht. Bei solchen Techniken kann eine Weiterbehandlung, zum Beispiel Reinigung des Tunnels oder dergleichen, direkt angeschlossen werden. Die Technik funktioniert hervorragend.
Für den Anfang würd ich Dir empfehlen, einfache, überschaubare Grundparadigmen zu benutzen und diese durch Übung einzutrainieren. Im Laufe der Zeit wirst Du Deine Möglichkeiten ausbauen Im Prinzip ist es zunächst mal wichtig, dass Du zu einem Gesamteindruck kommst, ein eventuelles Extrakt möglichst klar und deutlich identifizieren kannst und auch Deine Schutzgeister klare Auskunft dazu geben (wenigstens, dass es sich wirklich um ein Extrakt handelt. Und nicht etwa um was anderes ...). Wenn Du Dir den Zugang auf diese Art erarbeitet hast geht es an den nächsten Schritt: die eigentliche Extraktion.

Extraktion - by Adrian Osswald
Du tust wahrscheinlich gut daran, wenn Du zunächst mal einige Sitzungen machst auf das Thema und Dir allgemeine Handlungsempfehlungen von Deinen Verbündeten holst: wie soll ich extrahieren?5 Denn auch dabei gibt es unzählige Möglichkeiten und wohl oder übel wirst Du irgendwo anfangen müssen und Dir allmählich einen Überblick über die Fülle Deiner Möglichkeiten verschaffen.
Energetische Fremdkörper können sich – wie oben bereits angedeutet – auf verschiedensten Ebenen festhängen. Die alltägliche Verschmutzung der Aura, bei der sich an den äußeren Schichten irgendwelche Fremdartigkeiten anheften können, ist dabei die eher harmlosere Variante. Einfaches Abräuchern (Salbei, Wacholder, Beifuss), vertreiben mit einer lauten, scharfen Rassel, auch Wechselduschen (bzw. kaltes Duschen, gelegentlich mal Hände, Unterarme und Gesicht mit kaltem Wasser abwaschen) und dergleichen sollten solche Probleme lösen helfen.
Wenn Eindringlinge sich den Namen verdienen, weil sie tiefer oder fester sitzen, dann musst Du wahrscheinlich auch etwas tiefer in die Trickkiste greifen.  Ich stelle oft genug fest, dass ein Extrakt zunächst mal "gelöst" werden muss. Je länger ein Fremdwesen im Energiekörper des Klienten schmarotzt, desto fester kann es sich einnisten. In unserem Kulturkreis ist das fast die Regel: die meisten Menschen schleppen diverse extraktionswürdige Intarsien jahrelang (manchmal Jahrzehnte lang) mit sich rum. Manchmal kannst Du Erfolg haben mit einem puren Gewaltakt, und das Extrakt einfach ausreißen. Dafür verwende ich Drachenklauen oder dergleichen Techniken. 
Das machst Du am besten nur, wenn Du wirklich sicher bist, Deine Verbündeten das Ok geben und Du einen gezielten Griff für sowas hast. Kampfkunstpraxis kann da unter Umständen übrigens behilflich sein. Oft genug muss aber umsichtiger vorgegangen werden. Du kannst ein Extrakt heraussingen, herauslocken, herausschneiden, heraussaugen6 von den Verbündeten entfernen lassen und so weiter. Ich selbst habe für Extraktionen eine Rassel, die sich speziell dafür einsetzen lässt.

Ein anderes Hilfsmittel, welches oft zum Einsatz kommt, ist ein hölzerner Phurba, der mir vor Jahren unter einigen Besonderheiten "zugespielt" wurde. Wenn Du einen schamanischen Weg gehst werden sich früher oder später ähnliche Kraftgegenstände bei Dir einstellen. Ich kann mich noch gut an eine ältere (laut Bericht knapp hundertjährige) Schamanin der sibirischen Tradition erinnern, die stolz ihre schamanischen Hilfsgeräte präsentierte: ein komplettes Set mit kleinen Feilen, Nähnadeln, einer Nagelschere und dergleichen. Es gibt da also keine allgemeingültigen Regeln. Wichtig ist natürlich, dass es letztlich nicht das physische Objekt oder dessen Erscheinungsbild ist, was Dir bei Deiner Arbeit hilft, sondern dessen geistige Kraft. Andere Hilfsmittel bekommst Du vielleicht nur in der Geisterwelt, ohne dass sie jemals eine physische Entsprechung haben - und die funktionieren genauso gut.  

    Wenn das Extrakt aus dem Energiekörper entfernt ist stehst Du vor dem nächsten Problem: wohin damit? Einfach irgendwohin werfen ist sicher nicht die beste Idee. Abgesehen davon, dass der soeben extrahierte Fremdkörper sofort wieder an seinen gewohnten Platz zurückkehrt gibt es da noch andere Komplikationen: er kann auf Dich selbst oder andere Personen im Raum überspringen. Selbst wenn das nicht passiert verunreinigt es die Energiestruktur des jeweiligen Ortes, wo die Behandlung durchgeführt wird. Auch das ist weder irgendwem auf Dauer zuträglich noch sonst wie wünschenswert.
Die Entsorgung eines solchen Extraktes orientiert sich bei mir an folgender Prämisse: irgendwo in den Reichen der Wirklichkeiten wird es einen angestammten Sinn, Platz und Zweck für ein solches energetisches Konstrukt geben. Was das Extrakt zu einem solchen macht ist, dass es sich jetzt und hier zur falschen Zeit am falschen Ort - nämlich im Energiekörper oder Lebensumfeld unseres Klienten – befindet7. Das macht es zu einem Schädling – und nicht etwa seine Existenz an sich. Die Frage nach der Entsorgung beinhaltet also die Frage nach dem "wo und in welcher Form gehört es hin". Für gewöhnlich mache ich aber keine schamanische Reise, um es dahin zurück zu bringen. Diese Aufgabe kannst Du getrost den Geistern überlassen (außer, diese geben im Einzelfall andere Anweisungen). Für Dich ist jetzt vor allem wichtig, Abstand zwischen Klient und Extrakt zu bekommen. Ein "Zurückspringen" sowohl auf den Klienten als auch auf andere Einnistmöglichkeiten muss verhindert werden. Eine einfache Version ist, das Extrakt ins Feuer zu übergeben. Du musst natürlich mit dem Feuergeist gut gestellt sein - ich würde nicht empfehlen, einfach allen Müll ins Feuer zu werfen und zu hoffen, dass es damit getan ist. Jede Art von Geist, kann (zu Recht) ordentlich krätzig werden, insbesondere wenn er im schamanischen Kontext als mächtiger Elementar - Geist missachtet wird. Ganz in meiner Nähe fließt die Isar vorbei. Ein Wesen, welches mir immer wieder die Entsorgung diversester "Kleinteile", die beim Schamanisieren anfallen, abnimmt. Auch so etwas sollte natürlich abgesprochen sein. Es zeugt nicht unbedingt von guten Manieren, alles Mögliche in jeden beliebigen Flusslauf zu kippen - ganz egal ob dies in der alltäglichen oder nichtalltäglichen Wirklichkeit stattfindet. Verschiedene kleine Gegenstände können bei Extraktionen als Geisterfallen eingesetzt werden. Unmittelbar nach der Entfernung kann das Extrakt in solche Gegenstände eingeschlossen und sicher verwahrt werden. Du kannst Deine Verbündeten befragen, wie die weitere Entsorgung - in der Regel vermutlich Rückgabe des Gegenstandes an die Natur - zu erfolgen hat.

    Das Stichwort "Geisterfalle" wird Dir vielleicht schon andernorts begegnet sein oder noch begegnen. Es macht den Anschein einer weit verbreiteten Technik, die im schamanischen Kontext immer wieder auftaucht. Als Geisterfalle kann Dir alles Mögliche dienen: Pflanzenteile, Steine, Hölzer und Wurzeln, kleine Stoffstückchen und dergleichen. Soweit mir bekannt ist, werden im südamerikanischen Raum häufiger Tabakfallen verwendet. Neben der Idee, ein sicheres Behältnis für energetische Fremdkörper zu haben können solche Hilfsmittel auch für die Extraktion selbst eingesetzt werden. Die Idee der Tabakfallen ist, dass manche Geister Tabak lieben und davon gleichsam magisch angezogen werden. Das wird gern ausgenutzt, indem Tabak als Köder auf die betroffenen Körperstellen aufgelegt wird und dann die fremdartigen Geister dort regelrecht hinein gelockt werden. Vergleichbares geht natürlich auch mit anderen Pflanzen - es obliegt Dir selbst, Deine Heil- und Kraftpflanzen zu finden, die für solche Arbeiten behilflich sein können. Manche Leute werden mit solchen Techniken zu regelrechten Spezialisten. Es kann gut sein, dass Du, um die Pflanzengeister und deren Einsatzmöglichkeiten bei Extraktionen effizient anzuwenden, gut studieren musst, um damit bodenfest zu werden. Neben dem üblichen Weg - befrag den Pflanzengeist selbst - können Dir dabei auch alte (oder neue) Kräuterbücher behilflich sein, die oft genug viel verstecktes schamanisches Wissen über diese Geister beinhalten.

    Damit kommen wir zur Tsentsak- oder "Geisterpfeil" – Technik, die ich kurz andeuten möchte. Geisterpfeile sind einfach gesagt Hilfsgeister, die Du bei ausreichend Praxis und Geduld im Laufe der Zeit rekrutieren kannst. Harner beschreibt eine mögliche Technik, die Dir als Grundgerüst dienen kann, aber wenn Du guten Kontakt zu Deinen Geistern hast wirst Du problemlos (oder vielleicht auch mal nicht so problemlos) Deine eigenen Wege finden. Die Technik ist stark: je mehr Hilfsgeister dieser Art Du zur Verfügung hast, desto effizienter wird Deine Extraktions- und überhaupt Behandlungsmethodik werden. Das Spektrum der Möglichkeiten, denen Du mit schamanischen Techniken beikommen kannst, wächst mit jedem Geisterpfeil, den Du Deinem Arsenal hinzugefügt hast.
Das Ganze ist natürlich nicht so leicht, wie es sich anlesen mag. Man braucht für gewöhnlich einige Jahre, einen größeren Trupp solcher Hilfsgeister zusammen zu stellen. Jeder Einzelne braucht seine Zeit und ich kann nur empfehlen, umsichtig vorzugehen, langsam und nichts zu überstürzen. Manche dieser Geisterpfeile sind störrisch und teilweise sogar gefährlich. Sie müssen regelrecht gezähmt werden, bevor sie Dir mit ihrer Kraft zur Seite stehen. 
In der Anwendung kannst Du zum Beispiel so vorgehen: zunächst versuchst Du, das Extrakt zu identifizieren und zu einem klaren Gefühl und Blick dafür zu kommen. Dann durchforstest Du Dein Geisterpfeil - Arsenal, um einen zu finden, der dem Extrakt möglichst ähnlich ist8.
Wenn Du so einen gefunden hast gibt es mehrere Möglichkeiten. Du kannst mit dem Pfeil von außen arbeiten, den Fremdkörper lösen, extrahieren und direkt durch Deinen Hilfsgeist einverleiben lassen. Du kannst den Pfeil auch direkt in den Körper des Klienten schicken9, um dort die Krankheit zu suchen und unschädlich zu machen.
Ich hoffe, dass ich nicht betonen muss: Du MUSST (und absichtlich nicht „könntest“) absolut sicher und konform mit einem Hilfsgeist sein, den Du auf diese Art anwendest! Das ist fortgeschrittener Schamanismus – und ganz sicher nichts für Möchtegerns!

    Wenn das Extrakt ordnungsgemäß entfernt und entsorgt ist bleibt oft genug die betroffene Stelle im Energiekörper zu behandeln. Wie dabei vorzugehen ist hängt wiederum vom Einzelfall und den Anweisungen Deiner Verbündeten ab. Es kann gut sein, dass zurückgebrachte Seelenteile eingesetzt werden müssen, Organseelen oder dergleichen. Auch ein zurückgebrachter Schutzgeist für den Klienten kann sich des Problems annehmen oder Du benutzt Vitalenergie. Runenkräfte funktionieren auch prima, vorausgesetzt, Du bist mit dem System vertraut. Ich habe mir allerdings angewöhnt, zuerst immer nach Kräften zu suchen, die ursprünglich zum Klienten gehören (übrigens auch bei Organseelen ist das meiner Meinung nach vorzuziehen). Manchmal muss auch nichts aufgefüllt werden und eine Ausgleichung und Umverteilung im Energiekörper reicht aus. In dem Fall hat das Extrakt die Vitalenergie verdrängt – und dabei ist tatsächlich oft genug schon beim ersten Blick zu sehen, dass der Klient irgendwie „asymmetrisch“ aussieht. Nach der Sitzung solltest Du dafür sorgen, dass die einzelnen Energieschichten des Klienten wieder gut und sicher verschlossen werden. Was Du vorher aufgemacht hast muss anschließend wieder zugemacht werden. Ich bin dabei jedenfalls penibel genau. Abschließende Versiegelung mit Schutzzeichen kann auch eine gute Idee sein. Entlassen der Geister, räuchern des Behandlungsraumes erden des Klienten und Deiner selbst beenden die Sitzung.

Selbstschutz

    Allgemein: Klientenarbeit mit Seidh ist fortgeschrittene Arbeit. Neben schamanischer Erfahrung brauchst Du einen guten Kontakt zu Deinen Verbündeten und solltest Dir Deiner eigenen Kraft einigermaßen gewiss sein. Ein Extrakt fasst Du bitte niemals mit bloßen Händen an, auch „nur visionär“ nicht! Krankheitsgeister sind meiner Einschätzung und Erfahrung nach fast immer ansteckend. Ich habe selbst einige Erfahrungen in dieser Richtung machen müssen, bis ich meine Lektionen dazu gelernt hatte. Du wirst natürlich ebenso Deine eigenen Erfahrungen machen ;-) aber es kann trotzdem nicht schaden, auf den Sachverhalt hin zu weisen. Das mindeste ist die spürbare Präsenz Deines Schutzgeistes. Du solltest selbst auch gesund und kraftvoll sein. Wenn Du Dich irgendwie geschwächt, ausgelaugt oder sonstiger Art angeschlagen fühlst verschiebst Du besser den Termin. Ein imaginierter Schutzkreis um den Klienten genauso wie um Dich selbst kann hilfreich sein. Bevor Du irgendetwas anfasst packst Du Dich am besten ordentlich ein. Imagination von Handschuhen und Schutzkittel ist da das mindeste. Du kannst Dich auch in die Kraft Deines Schutzgeistes hüllen (und ich hoffe, Du machst ab und an Tiertänze, die Dir ganz gut beibringen können, wie Du so etwas bewerkstelligen kannst). Im Übrigen werden auch Hilfsgeister Dir auf diese Art behilflich sein und können tatsächlich regelrechte Schutzschilde bilden, an denen so leicht nichts vorbei kommt. Schamanengewand und Kopfschmuck sind Arbeitsgeräte, die sehr viel mehr bewirken, als nur zum Kostümball zu taugen. Es wird allerdings einige Jahre dauern, bis Du solche wirklich machtvollen Kraftgegenstände Dein Eigen nennen kannst. Die Geister werden Dir den Weg dahin zeigen, wenn das etwas für Dich ist. Nach Extraktionen solltest Du Dich gut reinigen. Die Hände über eine Kerzenflamme halten, räuchern mit reinigenden Kräutern etc.-  ich gehe davon aus, dass Du dazu keine detaillierten Anweisungen brauchst. Denn Du bist ja fortgeschritten, sonst würdest Du sicherlich keine Klientensitzungen dieser Art machen. Oder?
Zu guter Letzt ist es vielleicht angeraten, Dich ab und an bei einem schamanischen Kollegen Deines Vertrauens gründlich untersuchen zu lassen. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie. Man kann immer was übersehen. Es ist absolut keine „Schande“, zeugt von „schamanischer Schwäche“ oder ähnlichem Quatsch, sich durch Supervision die eigenen blinden Flecken in Augenschein nehmen zu lassen oder eine Reinigung des eigenen Energiekörpers in Anspruch zu nehmen. So etwas zeugt von Verantwortungsbewusstsein Dir selbst und Deinen Klienten gegenüber – und hat demgemäß mit Schwäche nichts zu tun.     

© Frank Röpti, München: Juni 2010


 

1 Siehe auch beispielsweise Uccusic (2000)

2 Beachte dazu den Begriff  "Gnosis" als eine alte Religionsform in Griechenland. Siehe Mead (2008), interessant sind seine rekonstruierten Hinweis auf eine "Geheimgesellschaft" spiritueller Art, die sich "Therapeuten" nannte.

3 Ganz oft lassen sich Auslöser und Zusammenhänge finden, die mit dem Aussehen und der Art des Extraktes, seiner Lokalisation etc. korrespondieren. Manchmal geben die Geister Hinweise dazu oder der Klient steuert wichtige Informationen bei, der eventuell mehr mit den Bildern und Eindrücken anfangen kann, als der Schamane selbst.

4 http://www.shamanicstudies.net/

5 Ich bin Apu Kuntur bis heute dankbar für vieles, u.a. seine klaren Unterweisungen. Die gewählte Formulierung, so unscheinbar sie auch klingen mag, hat sich tief und wortgetreu in mein eigenes Denken eingebrannt: unter anderem solche wesentlichen Dinge lehrte er uns damals im Extraktionskurs. Immer, wenn ich diesen Rat an andere weiter gebe muß ich an ihn denken. Ein guter Grund, ihm an dieser Stelle offiziell Aufmerksamkeit zu Teil werden zu lassen.  http://kondor.de/ 

6 Saugeextraktion ist ausschließlich was für Experten. Wenn Dir Deine Geister nicht explizit dafür grünes Licht geben: lass es!

 7 Das Extrakt ist also auch nicht per se als "böse" oder dergleichen einzustufen.    

8 Ah ja. Die Naturheilkundler und insbesondere die, die sich schon mal mit Homöopathie befasst haben, sollten spätestens an dieser Stelle aufmerken. „Ähnliches soll mit ähnlichem geheilt werden!“ ist der wichtigste Lehrsatz der Homöopathie. Und diese Analogie ist meiner Einschätzung nach kein Zufall. Tatsächlich kannst Du homöopathische Mittel natürlich auch als Hilfsgeister rekrutieren. In den Materia Medica kannst Du Dir extremstes Detailwissen über Deinen Hilfsgeist aneignen. Die MM beschreibt aus einem anderem Blickwinkel Krankheitsgeister in Reinkultur. Betrachte zum Beispiel Vithoulkas „Essenzen homöopathischer Arzneimittelbilder“ unter diesem Gesichtspunkt und ich verspreche Dir einige überraschende Aha – Effekte.
Freilich sollte der homöopathische Ansatz nicht mit dem schamanischen gleich gesetzt werden. Ein Homöopath ist nicht automatisch auch Schamane – und ein Schamane kein Homöopath. 

9 An der Stelle wird deutlich, warum diese Art Hilfsgeister als „Pfeile“ bezeichnet werden. Hier auch die Bemerkung, dass sich diese Wesen nicht nur für schamanisches Heilen einsetzen lassen – sondern auch für das „Gegenteil“. Aus Südamerika kommt mir da so einiges zu Ohren. Dort schlagen sich manche Schamanen regelrecht die Köpfe ein, indem sie ihre Geisterpfeile aufeinanderhetzen, um dem jeweiligen Kontrahenten zu schaden. Absichtlich schreibe ich nichts genaueres zu derartigen Vorgehensweisen. Man sollte zwar vorsichtig sein mit Beurteilungen a´ „das ist aber böse / schwarze Magie, was die da machen“ – denn die dortigen Lebensbedingungen und die Gründe für solche Auseinandersetzungen können wir kaum nachvollziehen. Wie dem auch sei: ich hoffe Du hast besseres zu tun, als Dich auf solche „Raufereien“ einzulassen! Echte Geisterpfeile können massive Schäden machen und akute Krankheiten - Lungenentzündungen mit hohem Fieber z.B. - sind da eher die harmlose Variante.

Bildnachweis
Adrian Osswald - "Extraktion"

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